Trauer

#1 von Anna , 04.02.2009 20:07

In meinem Trauerjahr bin ich auch aus dem Jahreskreis herausgefallen.

man hat ja in dem ersten Jahr der Trauer ein Auszeit vom "normalen" Dasein.

Besonders fiel mir das auf, als ich zu Samhain (7 Monate nach dem Todesfall) mir grüne Haarbänder kaufte und das Gefühl hatte, mein innerer Baum fängt wieder an Blätter zu bekommen, ich fing an die Aussenwelt anders wahrzunehmen. Und gleichzeitig war die Natur dabei ihr Blätterkleid abzuwerfen und mein Inneres fing an zu blühen. Das war schon verwirrend. Ich mußte aufpassen, es zuzulassen und nicht mit dem Kopf dagegen zu steuern. (Weil man ja sowieso wahnsinnig vor Trauer ist und jetzt fängt man komplett an zu spinnen.)

Aber da hatte ich auch das Gefühl das der Jahreskreis ncih tmit mir korrespondiert. Wobei ich im gegensatz zu in der SChwangerschaft den Jahreskreis gefeiert habe, als Stütze.

Wobei es bestimmt auch einen eigenen "Trauerkreis" gibt.

Wie haben es andere empfunden?
Hat jemand Ideen zu einem eigenen "Trauerkreis"?


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RE: Trauer

#2 von Brianna , 05.02.2009 16:45

Hallo Anna,

hm, das kommt glaub ich auch ein bisschen drauf an ob es ein Tod war auf den man sich vorbereiten konnte / der nicht extrem überraschend war oder eben nicht.

Nachdem ich mit 18 meine Seelenschwester plötzlich verloren habe, habe ich 1 Jahr lang nicht mehr in den Spiegel schauen können, dann hat die Trauer angefangen, nach weiteren 2 Jahren konnte ich das erste mal den Satz, das sie tot ist laut aussprechen oder ihn hören von jemanden, ohne den gleich zusammenschlagen zu wollen.

Als Kreis oder ...fortsetzung folgt

 
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RE: Trauer

#3 von Sunfire , 05.02.2009 20:41

Hey du,

ich könnte sagen, ich befinde mich derzeit selbst in einem Trauerjahr, weil ja im September mein Vater verstarb. Aber bei mir war es bisher so gewesen, das ich anfangs erst keine Lust hatte auf nichts mehr (meinen 16. Geburtstag nicht und auch auf Weihnachten nicht) und ich bin auch noch jetzt relativ lustlos. Aber am sonsten war bei mir bisher nichts. Meine Mutter hat mich quasi dazu gezwungen weiterzumachen und es war vielleicht auch gut so. Trotzdem muss ich zugeben. Ich würd schon gerne einen Neuanfang machen. Aber nicht hier, wo ich derzeit bin.

Ich denke, das was du spinnen nennst, ist einfach eine Art mit der Trauer umzugehen und vielleicht neues zu entdecken, was man bisher gemieden hat, auszuprobieren. Ich weis nicht, wie ich das erklären soll, aber ich denke du weist was ich meine

Lg Sunfire

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RE: Trauer

#4 von Anna , 05.02.2009 21:17

Ich habe zum ersten Todestag ein Ritual gemacht. Der Tag ist zudem die Frühlings-Tag ud Nachtgleiche, und so habe ich mit Druidenfreunden im Garten meiner Hebamme ein Ritual gefeiert. Ich habe ein Labyrinth ausgelegt, Stationen auf dem Weg dahin, die mir in dem Jahr wichtig waren und bin es im Ritual dann gelaufen. In der Mitte bin ich jemanden begegnet. Und der Weg zurück war gut.

Danach ging es mir besser, es war ein guter Abschluß, und danach ging es leichter, mich im Leben wieder zurecht zufinden.

ich denke nicht das die erste Phase der Trauer "nur" auf ein Jahr beschränkt ist, sie kann kürzer sein, aber meistens länger, trotzdem ist das erste jahr etwas besonderes. Nach einem Jahr hat die Trauer alle Jahreszeiten gesehen, man weiß dass die Erde und das Leben sich weiter bewegen.

Ab und zu macht man die Trauer eine Wandlung, geht weiter und ich glaube, wenn man das mit einem Ritual begleitet, wird es einfacher. Es ist eine Bekräftigung, ein in den Fluß springen, eine Verankerung des gegebenen.

Trauer ist individueller als eine Schwangerschaft, die klar auf 9 Monate begrenzt ist. Soein Kreis gehört auf jedenfall weitergefasst.


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RE: Trauer

#5 von Weisser Schatten , 05.02.2009 21:31

ihr lieben,

trauer empfinden wir immer, wenn ein verlust geschehen ist,
und je nach der vermeintlichen schwere des verlustet bemißt sich die trauer,
dabei muß es sich nicht immer nur um einen geliebten menschen handeln, für manche
spielt sogar der verlust des materiellen oder ideellen eine noch größere rolle - je nachdem, wie sie im leben
und zum leben stehen,
trauer muß gestattet sein, trauer ist aufarbeitung von gelebten leben mit verlustigen dingen oder verlorenenen
lieben menschen,
"der tod macht das leben klarer", sagt der philosoph wilhelm schmidt,
der tod läßt uns unsere eigene und überhaupt die endlichkeit des menschlichen seins erleben
und schärft unsere gedanken und unseren blick auf die ewig währende menschliche suche nach dem sinn des lebens,
trauer muß gestattet sein, aber es muß auch gestattet und gefordert sein,
daß man/frau nicht und niemals in der trauer versinkt, dabei nicht mehr ins lebenswerte leben zurückkehrt!
als mein vater starb, kam mir nachfolgende referenz an den TOD in den sinn
und seitdem habe ich meine eigene beileidskarte/trauerkarte zum kondolieren (als bild beigefügt)
halten wir uns immer vor augen, daß alles, alles endlich ist in der zeit und im raum - das spricht nicht gegen die auffassung,
daß die seele, die psyche, der geist weiterexistieren kann

ian-jonathan der weiße schatten
der als junger mensch für 4 jahre im hause einer großen friedhofsverwaltung
direkt neben diesem wunderbaren garten gewohnt hat und auch nachts auf
der orgel der friedhofskapelle spielte und der heute noch am grabe der eltern mit ihnen spricht,

Angefügte Bilder:
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 Trauer1 [22].jpg 
 
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RE: Trauer

#6 von angelikaherchenbach , 05.02.2009 22:41

Das, was wir als Trauer bezeichnen, beinhaltet die Trauer im wörtlichen Sinne über den Verlust, die Verwirrung in unserem Dasein durch die Veränderung in unserem Leben, vor allem aber auch das Entsetzen über diese unvorstellbare Macht.
Trauer ist und verläuft individuell so unterschiedlich, dass ich nicht glaube, sie in einem einheitlichen Jahreskreis darstelen zu können. Gerade die Sprachlosigkeit vor dem Unfassbaren ist es ja, was die Trauer ausmacht.
In diesem Zusammenhang: Kennt jemand das "Totenbuch der Kelten" von Holger Kalweit? Und was haltet Ihr fortgeschrittenen Druiden davon?

angelikaherchenbach  
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RE: Trauer

#7 von Anna , 06.02.2009 22:45

Hallo Angelika

Zitat
In diesem Zusammenhang: Kennt jemand das "Totenbuch der Kelten" von Holger Kalweit? Und was haltet Ihr fortgeschrittenen Druiden davon?



Ich kenne nur das Totenbuch von Irene Dalichow. Und was die fortgeschrittenen Druiden angeht, deine Beiträge und Fragen kommen mir so vor, dass du selbst schon ganz schön weit bist auf dem Weg.

Sicherlich sprengt die Trauer ein Jahr. Eine Freundin, die lange in Italien lebte, sagte mir, dort ist die Trauer erst nach 7 Jahren vorbei. (ich habe erst 3 um. also weiß ich nicht ob es stimmt)
Aber Trauer hat seine eigene Zeit und jeder steht an einem anderen Punkt im Kreis.

Hilft einem der Jahreskreis bei der Trauer?
Es hilft bestimmt jede einzelne Phase mit einem Ritual zu würdigen, so wie ich den Frühling und den Winter mit den Jahreskreisfesten würdige.

Anna

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RE: Trauer

#8 von Brianna , 11.02.2009 14:18

Fortsetzung:
(wurde plötzlich unterbrochen beim schreiben von meinem ersten Beitrag)

Als Kreis empfand ich es nicht. Eher als lange, sich ewig hinziehende Qual die mein Leben sinnlos gemacht hat.

Ich hab auch an nichts mehr gedacht, an nichts mehr Lust gehabt. Wie gesagt, nicht mal mein eigenes Spiegelbild hat mich interssiert. Ich fand es abstoßend, weil meine Augen so leer waren. Wie von einem Zombie.

Ich hab lang auf einer der wunderschönen Kalkfelsenklippen an der Küste Brighton's gestanden und runtergeschaut und war kurz vor dem letzten Schritt. Aber ich habs dann doch nicht gemacht, weil ich die Chance aufgegeben hätte irgendwann mal die wahre Liebe zu erleben. Mein lebensrettender Gedanke. Heute hab ich sie, hat sich also gelohnt
Im Enddefekt hab ich mein Leben nur meinem Dickkopf zu verdanken.

Dafür hab ich alles andere gemacht was man nicht macht wenn man ein gesundes Körpergefühl hat und sich selber einigermaßen mag. Weil mir alles, inklusive mir wurscht war. Pures Glück das ich außer einem hässlichen Tattoo keine Folgeschäden davongetragen habe. Sogar meine Leberwerte sind gut und ich hab zu rauchen aufgehört.

Lustig: Wenn das Thema heute angeschnitten wird, zünd ich mir ne Zigarette an. Diese Woche auch wieder.
Khae's und meine sehr gute Freundin Sarah ist an Krebs gestorben. Sie war kurz vor 40 und hinterlässt eine 2 Jahre alte Tochter.
Julia: Zigarette. Geht nicht anders. Eigenkonditionierung.

Übrigens kleiner Tipp: Psychopharmaka machen süchtig. Am besten gar nicht erst damit anfangen, selbst wenns der Doc verschrieben hat.

 
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RE: Trauer

#9 von Freya , 09.03.2009 13:47

Anfang '07 verstarb,der Vater meiner schon erwachsenen Kinder ganz plötzlich.Wir hatten sehr guten kontakt zueinander.Wir alle waren sehr erschüttert,einfach fix und fertig.Ich war hin und her gerissen von meinen eigenen schmerz und der trauer meiner Kinder.Mit meinen Sohn telefonierte ich dreimal täglich und zu meiner Tochter,oft gegen abend,rüber gelaufen(sie wohnt keine 5min. von mir entfernt) um sie zu trösten.
Kaum hatten wir das einigermaßen überstanden,verstarb ein langjähriger Freund,er war sehr krank und wir haben gewusst das er gehen wird,das war im Mai letzten Jahres und zu letzt starb im September letzten jahres mein bester Freund,von ihm konnte ich mich nicht verabschieden.
An manchen Tagen steh ich etwas neben mir.

 
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